Wer in Kroatien ein Boot chartern möchte, stößt fast zwangsläufig auf das kroatische Küstenpatent, offiziell Boat Skipper Category B. Es gilt als unkomplizierter Einstieg in die Welt des Bootsfahrens und ist besonders bei Urlaubsskippern beliebt. Innerhalb kurzer Zeit erhält man eine Erlaubnis, mit der sich sowohl Motor- als auch Segelboote entlang der kroatischen Küste führen lassen – inklusive einer Funkberechtigung. Genau dieser Punkt ist allerdings nicht ganz unproblematisch.
Der große Reiz des Küstenpatents liegt in seiner Einfachheit. Die Prüfung ist vergleichsweise kurz, oft theoretisch gehalten und ohne aufwendige Praxisanteile. Für viele ist das ideal, denn der Fokus liegt auf dem Urlaub, nicht auf monatelanger Vorbereitung. Wer nur ein oder zwei Wochen im Jahr in der Adria unterwegs ist, kommt damit schnell und kostengünstig ans Ziel.
Problematisch wird es jedoch beim Funkschein, der im Küstenpatent automatisch enthalten ist. Funk ist eines der wichtigsten Sicherheitsmittel an Bord, wird in der Ausbildung aber häufig nur oberflächlich behandelt. In vielen Kursen beschränkt sich der Funkteil auf Theorie und das Auswendiglernen einiger Standardmeldungen. Echte Funkpraxis, realistische Übungen oder der Umgang mit Stresssituationen bleiben oft auf der Strecke. Das führt dazu, dass viele Skipper zwar formal funkberechtigt sind, sich in der Realität aber unsicher fühlen – oder den Funk im Zweifel gar nicht nutzen.
Hinzu kommt, dass der im Küstenpatent integrierte Funkschein international nur eingeschränkt anerkannt ist. Während er in Kroatien selbst und bei vielen Charterfirmen akzeptiert wird, kann es in anderen Revieren oder bei strengeren Vercharterern schnell kritisch werden. Spätestens außerhalb der Adria zeigt sich, dass dieser Funkschein nicht mit international standardisierten Funkzeugnissen gleichzusetzen ist.
Ein weiterer Aspekt ist die trügerische Sicherheit. Wer einen Funkschein besitzt, geht oft automatisch davon aus, ihn auch sicher beherrschen zu können. Gerade auf See kann diese Fehleinschätzung gefährlich werden. Funk ist kein formaler Akt, sondern ein Werkzeug, das im Ernstfall klar, ruhig und korrekt eingesetzt werden muss. Fehlende Routine oder Unsicherheit können im Notfall wertvolle Zeit kosten.
Für entspannte Urlaubstörns bei gutem Wetter und in dicht besiedelten Revieren mag der Funkschein des Küstenpatents ausreichen. Wer jedoch häufiger unterwegs ist, Verantwortung für Crew übernimmt oder auch außerhalb Kroatiens fahren möchte, stößt damit schnell an Grenzen. Viele erfahrene Skipper entscheiden sich deshalb bewusst dafür, den Funk separat und gründlicher zu erlernen und einen international anerkannten Funkschein zu erwerben.
Unterm Strich ist das kroatische Küstenpatent ein praktischer und niedrigschwelliger Einstieg ins Bootfahren. Beim Thema Funk sollte man sich jedoch bewusst machen, dass Bequemlichkeit nicht automatisch Sicherheit bedeutet. Wer hier investiert, investiert letztlich in Ruhe, Kompetenz – und in den Ernstfall, von dem man hofft, ihn nie zu erleben. ⚓
Wenn du dich weiter mit dem Thema beschäftigen möchtest, findest du auf unserer Wissensseite vertiefende Informationen zu Funkzeugnissen, Prüfungsabläufen und praxisnahen Beispielen aus dem Funkalltag. Auch Auffrischungen für eingerostetes „Funkwissen! bieten wir mit unseren Auffrischungskursen an. So entsteht Schritt für Schritt echtes Verständnis – nicht nur reines Prüfungs-Wissen.