Du stehst kurz vor deinem nächsten Segeltörn, hast vielleicht schon deinen Bootsführerschein in der Tasche, und jetzt fehlt nur noch eines: der Funkschein. Wer auf See ein UKW-Funkgerät bedienen möchte, braucht das Short Range Certificate (SRC).
Doch wer sich in Foren oder bei Segelschulen umhört, stößt schnell auf ein kleines Wirrwarr: Soll man das deutsche SRC machen? Oder das österreichische? Und was hat es mit diesem britischen RYA-Schein auf sich, von dem alle schwärmen?
Die gute Nachricht vorweg: Alle drei sind echte, staatlich gedeckte Funkzeugnisse nach internationalen Vorgaben. Mit allen dreien lernst du dasselbe: UKW-Funk mit DSC im weltweiten GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System). Der Unterschied liegt vor allem im Weg dorthin. Welches Zeugnis an Bord gilt, entscheidet allerdings der Staat, unter dessen Flagge die Yacht fährt. Darauf kommen wir im Fazit zurück.
Wir haben die drei Lizenzen für dich unter die Lupe genommen.
1. Das deutsche SRC: Der Klassiker (mit Diktat-Hürde)
Für Wassersportler mit Wohnsitz in Deutschland ist dies oft der Standard-Weg. Ausgestellt wird das Zertifikat vom DSV (Deutscher Segler-Verband) oder DMYV.
Der Ablauf: Die Prüfung besteht aus einem Theorie-Teil (Multiple-Choice) und einer Praxis-Prüfung am Funkgerät.
Die Besonderheit: Die Prüfung findet auf Deutsch statt, obwohl auf See Englisch gesprochen wird. Berühmt-berüchtigt ist das deutsche SRC für sein Diktat: Du musst einen englischen Notruftext nach Gehör mitschreiben und ihn anschließend übersetzen.
Für wen geeignet? Für alle, die ein Boot unter deutscher Flagge führen. Das RYA SRC reicht dafür nach dem letzten Stand des deutschen Verkehrsministeriums nicht aus (mehr dazu in Anerkennung in Deutschland).

2. Das österreichische SRC: Behördlich und fundiert
Die österreichische Variante (offiziell: UKW-Betriebszeugnis II) wird von der Fernmeldebehörde geprüft und ausgestellt.
Der Ablauf: Ähnlich wie in Deutschland gibt es einen Fragenkatalog und eine praktische Überprüfung.
Die Besonderheit: Österreich legt traditionell etwas mehr Wert auf die rechtliche Seite, weshalb spezifische Fragen zum Fernmelderecht Teil der Prüfung sind. Der Ablauf gilt oft als etwas formeller. Amtssprache ist Deutsch, die Funkgespräche sind teils auf Englisch, teils auf Deutsch, dazu kommt ein Übersetzungstext vom Englischen ins Deutsche.
Für wen geeignet? Ideal für Österreicher, die eine heimische und solide Ausbildung bevorzugen – insbesondere, wenn sie sich intensiv mit den rechtlichen Rahmenbedingungen befassen möchten.

3. Das britische RYA SRC: Der Praxis-Sieger
Die Royal Yachting Association (RYA) bietet ein SRC an, das sich in den letzten Jahren zum absoluten Favoriten für viele internationale Skipper gemausert hat.
Der Ablauf: Bevor du zur Prüfung darfst, musst du einen RYA-zertifizierten Kurs absolvieren (auch bequem als Online-Kurs möglich, die Prüfung legst du dann an einem Prüfungstermin vor Ort ab). Die Prüfung selbst besteht aus einem kurzen schriftlichen Test und einem intensiven, aber sehr fairen Praxisteil.
Die Besonderheit: Alles ist auf Englisch! Das klingt für manche im ersten Moment abschreckend, ist aber extrem sinnvoll, da Englisch die absolute Standardsprache auf See ist. Es gibt kein Diktat und keine Übersetzungsübungen. Die RYA-Prüfer wollen lediglich sehen, dass du das Gerät bedienen und im Ernstfall auf Englisch Hilfe rufen kannst.
Für wen geeignet? Für Charterer weltweit, egal ob aus Deutschland oder Österreich. Wer nicht auf ein eigenes Boot unter deutscher Flagge angewiesen ist, findet hier den modernsten und praxisnächsten Weg zum Funkschein.
Fazit: Wie entscheidest du dich?
Die Wahl des richtigen SRC hängt letztlich von deinen Zukunftsplänen ab:
Du bist Charterer? Wenn du im Urlaub Yachten charterst, etwa im Mittelmeer oder in der Karibik, fährst du mit dem RYA SRC meist am besten. Es ist praxisorientiert, bereitet dich perfekt auf die reale englische Kommunikation auf See vor und erspart dir Vokabelpauken und Diktate.
Du bist Eigner? Hier gilt das Flaggenstaatprinzip. Wenn dein Boot unter deutscher Flagge fährt, ist das deutsche SRC der sichere Weg: Das RYA SRC reicht für die deutsche Flagge nach dem letzten amtlichen Stand nicht aus. Fährt dein Boot unter österreichischer Flagge, kannst du das RYA SRC bei der Fernmeldebehörde für Österreich anerkennen lassen. Wie das geht, steht in Ist das RYA SRC in Österreich anerkannt?
Egal, für welchen Weg du dich entscheidest: Ein Funkschein ist nicht nur ein Stück Papier für den Vercharterer, sondern dein wichtigstes Sicherheits-Tool an Bord.
Mast- und Schotbruch für deine Prüfung!